© DAV Biberach
© DAV Biberach
© DAV Biberach
© DAV Biberach
© DAV Biberach

Sicher Helfen im Alpinen Gelände

Für unseren Bergrettungskurs trafen sich sechs motivierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer um 06:30 Uhr an der Kletterhalle in Biberach. Dank des geliehenen Busses des Teil-Autovereins Biberach konnten wir die Anreise entspannt angehen - zumindest alle, die nicht am Steuer saßen. Unsere Fahrerin hatte sich inzwischen vollständig an Automatikfahrzeuge gewöhnt weswegen wir darum gebeten wurden, sie rechtzeitig ans Schalten zu erinnern. Das führte zwar gelegentlich zu kurzen Unterbrechungen der Motorgeräusche, tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch. 

Nach dem Einsammeln unserer Kursleiterin Sandra in Kißlegg ging es weiter Richtung Voralberg. Gegen 08:30 Uhr erreichten wir den Klettergarten in Koblach. Besonders erfreulich: Das Auto konnte praktisch direkt am Wandfuß geparkt werden. 

Der Klettergarten eignet sich damit hervorragend für alle, die ihre Energie lieber in den Fels als in den Zustieg investieren möchten.

Da sich die komplette Gruppe bereits gut kannte, bestand anfangs die Befürchtung, dass unser Dauergequatsche irgendwann selbst die geduldigste Kursleiterin an ihre Grenzen bringen würde. Sandra nahm die Herausforderung allerdings erstaunlich gelassen an und ließ sich auch von den regelmäßigen Abschweifungen in völlig fachfremde Themen nicht aus der Ruhe bringen.

Nach einer kurzen Einführung ging es dann auch schon los. Die erste Felsstufe wurde souverän in Zustiegsschuhen bezwungen, was unser Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben deutlich anhob. Oben angekommen wurden wir jedoch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Standplatzbau.

Während wir unsere besten Konstruktionen präsentierten, zeigte Sandra an jedem Standplatz noch einige Dinge auf, die man besser, sicherer oder eleganter machen könnte. 

Anschließend teilten wir uns in zwei Gruppen auf und begannen mit den ersten Rettungsübungen. Schleifknoten bei HMS-Sicherung, Schleifknoten bei Plattensicherung – und natürlich hing immer jemand im Seil um möglichst realitätsnahe Bedingungen zu schaffen.

Als Nächstes ging es darum, leicht verletzte Personen oder Kletter/innen, die an einer schwierigen Stelle nicht mehr weiterkommen, mittels Flaschenzug nach oben zu befördern. Die Theorie klang zunächst recht überzeugend. In der Praxis stellten wir jedoch fest, dass die Physik zwar vieles möglich macht, uns aber trotzdem nicht die Arbeit abnimmt. Ohne Mithilfe der „verunfallten“ Person wurde das Hochziehen schnell zu einer kraftzehrenden Ganzkörpertrainingseinheit.

Inzwischen stand die Sonne senkrecht über der südseitigen Wand und verwandelte den Klettergarten in eine Mischung aus Backofen und Solarium. Doch Sandra hatte noch eine weitere schweißtreibende Übung für uns vorgesehen: Prusiken. An mehreren fixierten Seilen übten wir den Aufstieg am Seil mithilfe von Prusikknoten. Nachdem alle das Grundprinzip verstanden hatten, stellte sich die einzig logische Frage: Wer ist am schnellsten oben? Aus einer Rettungsübung wurde ein hochprofessioneller Wettkampf mit zweifelhafter Regelkunde und maximalem Ehrgeiz. Der Preis für diesen Einsatz waren einige Blasen an den Händen sowie eine wohlverdiente Mittagspause im Schatten.

Während wir uns für den Nachmittag wieder in die sonnige Südwand begaben, wurden die neidischen Blicke zur benachbarten Canyoning-Gruppe immer häufiger. Diese hatte ihre Seilübungen bereits hinter sich gebracht und war inzwischen auf dem Weg ins kühle Wasser. Wir hingegen durften weiter Rettungstechniken üben.

Am Nachmittag stand das Abseilen einer verletzten Person auf dem Rücken auf dem Programm. Zu unserer Überraschung funktionierte das erstaunlich gut.

Da die Temperaturen mittlerweile endgültig die Grenze zwischen „sommerlich“ und „unvernünftig“ überschritten hatten, beschlossen wir die letzte Übung in den Schatten zu verlegen. Niemand wollte das Gelernte unmittelbar an einem hitzegeschädigten Kursteilnehmer testen müssen.

Zwischen den Bäumen bauten wir deshalb einen Standplatz auf und beschäftigten uns mit der Seilverlängerung. Nun wissen wir also auch, wie man bei HMS- und Plattensicherung Personen über mehr als eine Seillänge kontrolliert ablassen kann.

Gegen 18 Uhr hatten sich nach unzähligen Knoten, Umbauten, Flaschenzügen und Sicherungstechniken nicht nur einige Knoten im Seil, sondern auch einige Knoten im Hirn gebildet.

Der Gedanke an ein kühles Feierabendbier ließ uns nicht mehr los. Dieses konnte glücklicherweise in einem nahegelegenen Gasthof schnell organisiert werden. Eigentlich waren sich die meisten einig, dass für heute genug Programm absolviert worden war. Doch einige besonders motivierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer ließen sich noch zu ein paar Sportkletterrouten und sogar einer Mehrseillängentour hinreißen. 

Dieser Tatendrang wirkte ansteckend und es dauerte nicht lange, bis der Rest der Gruppe ebenfalls wieder die Kletterschuhe schnürte.

Irgendwann geht jedoch selbst der schönste Kurstag zu Ende. So traten wir schließlich die Heimreise nach Biberach an – müde, leicht sonnengegart, voller neuer Erkenntnisse und mit deutlich mehr Vertrauen in unsere Fähigkeit, uns in einer alpinen Notsituation gegenseitig helfen zu können. Natürlich hoffen wir alle, dass wir die erlernten Techniken niemals in einem echten Ernstfall anwenden müssen. Es fühlt sich jedoch gut an zu wissen, dass man im Zweifel mehr Möglichkeiten hat als hektisch „Hilfe!“ zu rufen und auf das Beste zu hoffen.